Ann Cathrin Riedel – Die „5 Premium Speakers Fragen“

24. August 2026 – Mandy Weinand

Ann Cathrin Riedel ist Impulsgeberin für die digitale Zukunft.

Sie ist Publizistin, Digitalexpertin und eine profilierte Stimme für Digitalpolitik, Verwaltungsmodernisierung und Demokratie. Als Geschäftsführerin von NExT e.V., einem Netzwerk für die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung, beschäftigt sie sich mit der Frage, wie Staat und Verwaltung moderner, leistungsfähiger und digitaler werden können. Dabei versteht sie Digitalisierung nicht als reines Technologieprojekt, sondern als zentrale Voraussetzung für eine zukunftsfähige Gesellschaft und stabile demokratische Strukturen.

Zuvor verantwortete sie bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Themen rund um internationale Digitalpolitik, Digitalisierung und Innovation. Darüber hinaus engagiert sie sich seit vielen Jahren in der netzpolitischen Debatte und bringt ihre Expertise in Gremien, Diskussionen und auf Konferenzen ein.

Als Speakerin verbindet Ann Cathrin Riedel politische, gesellschaftliche und technologische Perspektiven. Sie zeigt, warum digitale Transformation vor allem eine Frage von Strukturen, Verantwortung und politischem Gestaltungswillen ist – und was Unternehmen und Institutionen daraus für ihre eigene Zukunft lernen können.

Ann Cathrin Riedel im Interview

1. Welche Kernthemen enthalten Ihre Vorträge?

Ann Cathrin Riedel:

Meine Vorträge kreisen um eine Frage: Wie handlungsfähig bleiben Staaten und Unternehmen in einer Welt, in der Technologie zur Machtressource geworden ist?

Daraus ergeben sich drei Schwerpunkte.

Erstens die Modernisierung des Staates – warum das Tempo der Verwaltung längst über Investitionsentscheidungen mitbestimmt und woran Reformen tatsächlich scheitern.

Zweitens digitale Souveränität – welche technologischen Abhängigkeiten Organisationen in den vergangenen fünfzehn Jahren eingegangen sind und welche davon im Ernstfall gefährlich werden.

Und drittens die Geopolitik der digitalen Infrastruktur: Halbleiter, Rechenzentren, Seekabel und Standards sind zu Instrumenten staatlicher Macht geworden.

Diese drei Themen hängen zusammen, denn sie beschreiben dieselbe Verschiebung aus unterschiedlicher Entfernung.

2. Welches Publikum bzw. welche Branche erreichen Sie mit Ihrer Rede?

Ann Cathrin Riedel:

Mein Publikum ist breiter, als das Thema vermuten lässt: Verwaltungen und öffentliche Institutionen, Unternehmen aus Industrie, Energie, Finanzwirtschaft und IT, Verbände und Kammern und in all diesen Häusern nicht nur die, die ohnehin über Digitalisierung nachdenken, sondern auch die, die täglich von ihr abhängen, ohne sich mit ihr zu beschäftigen.

Was diese Gruppen verbindet, ist der Blick, den ich anbiete: auf Dinge, die so selbstverständlich da sind, dass niemand mehr hinschaut. Das Internet wirkt, als läge es in der Luft – tatsächlich fließt es durch Kabel in der Erde und über den Meeresboden. Die Cloud ist kein Wetterphänomen, sondern besteht aus Rechenzentren und Verträgen mit sehr konkreten Eigentümern. Und eine Behörde, die einen Antrag in zwei Wochen statt in acht Monaten bearbeitet, verändert nicht nur einen Verwaltungsvorgang, sondern das Bild, das Menschen von ihrem Staat haben. Diesen Perspektivwechsel herzustellen, ist der Kern dessen, was ich tue – konkret, anfassbar und ohne Fachvokabular.

3. Warum sind Sie ein Premium Speaker und woher nehmen Sie Ihre Kenntnisse?

Ann Cathrin Riedel:

Aus drei Perspektiven, die selten zusammenkommen.

Als Geschäftsführerin von NExT e. V. arbeite ich täglich mit denen, die Verwaltung tatsächlich modernisieren – ich beobachte den Staat nicht, ich arbeite in ihm. Als Sachverständige im Bundestag und in Landtagen und als Mitglied im Beirat der Bundesregierung zur Umsetzung der Digitalstrategie kenne ich die politische Seite, auf der entschieden wird. Und die internationale Perspektive kommt aus meiner Zeit als Verantwortliche für internationale Digitalpolitik bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, aus Gesprächen in Ländern von Kasachstan bis Südafrika und zuletzt aus einer Einladung der Vereinten Nationen nach New York. Dass ich Islamwissenschaft und Politikwissenschaft studiert habe, hilft dabei mehr, als man denkt: Technologie erklärt sich selten technisch.

4. Was bringt die Zukunft? Spielt die «Zeit» in Ihrem Metier eine Rolle? Oder Stetigkeit?

Ann Cathrin Riedel:

Mein Feld sieht aus wie das schnellste überhaupt, und genau das ist das Missverständnis. Was am Ende entscheidet, ist langsam: Register, Verträge, Rechenzentren, Kabel im Atlantik, Halbleiterfabriken. Eine Cloud-Entscheidung von heute bindet eine Organisation fünfzehn Jahre. Eine Chipfabrik braucht ein halbes Jahrzehnt, bis sie liefert. Die Nachrichtenlage ist hektisch, die Strukturen darunter sind zäh – und die eigentliche Kompetenz besteht darin, beides auseinanderzuhalten. Wer jeder Aufregung folgt, verpasst die Verschiebungen, die wirklich zählen. Deshalb geht es in meinen Vorträgen fast nie um das Neueste, sondern um das Beständige.

5. Nennen Sie uns Ihr Lebensmotto! Was möchten Sie den Zuhörern unbedingt mit auf den Weg geben?

Ann Cathrin Riedel:

Nichts an der digitalen Welt ist Naturgesetz.

Jede Abhängigkeit, unter der wir heute leiden, war einmal eine Entscheidung – meist eine bequeme, oft eine unbewusste, aber immer eine, die jemand getroffen hat. Das ist die unangenehme und zugleich hoffnungsvolle Nachricht: Was gestaltet wurde, lässt sich anders gestalten. Was ich meinem Publikum mitgeben möchte, ist deshalb kein Alarm, sondern eine Zumutung – nämlich die Zuständigkeit.

Vielen Dank für das Interview!

Ann Cathrin Riedel

Expertin & Publizistin für Staatsmodernisierung, digitale Souveränität & Geopolitik