Brain & Soul Talk Michael Sandvoss im Gespräch mit Dr. Katja Unkel

13. Februar 2026 – Premium Speakers

New Mindset für Transformation und Krise: Warum Resilienz und empathische Führung jetzt entscheiden

Transformation, Krisen, hohe Taktung – und gleichzeitig der Anspruch, selbst und als Team leistungsfähig zu bleiben. Wie schaffen wir das? Wie werden wir resilienter? Was macht uns erfolgreicher? Wie bewältigen wir all die Herausforderungen besser?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines inspirierenden „Brain & Soul Talk“ in den wunderschönen Räumen von connect&develop in München. Michael Sandvoss (Experte für Menschzentrierte Führung und Emotionale Intelligenz) und Dr. Katja Unkel (Leadership-Expertin und Resilienzforscherin) diskutierten mit einem hochkarätigen Publikum darüber, was ein „New Mindset“ heute wirklich bedeutet.

Schnell wurde klar: Es geht nicht um neue Schlagworte, sondern um alltagstaugliche Kompetenzen – Resilienz, Empathie durch echtes Zuhören und klare Führung. Ein Abend voller Tiefe, Klarheit und Relevanz.

Warum ein New Mindset heute entscheidend ist

Die Logik früherer Erfolgsmodelle – immer schneller, immer mehr – gerät in der Realität von Polykrisen, Dauerwandel und Unsicherheit zunehmend an ihre Grenzen. Das New Mindset, dass in der Brain & Soul Diskussionsrunde herausgearbeitet wurde, ist daher kein „höher, weiter, schneller 2.0″, sondern ein System aus Balance, Selbstregulation und bewusster Praxis: Leistung bleibt wichtig, aber sie muss neu eingebettet werden.

Michael Sandvoss, Gastgeber und Moderator des Abends, rahmte die Veranstaltung als interaktiven Thought-Leadership-Austausch und schlug den Bogen über Thesen aus der Tech- und Finance-CEO-Szene – aus einer Welt, die von enormem Tempo und Performance lebt – hin zur zentralen Frage: Welche menschlichen Fähigkeiten gewinnen in einer KI-getriebenen Arbeitswelt an Bedeutung? Was ist die Rolle des Menschen in der KI-Ära?

KI verschiebt die Werteskala hin zu menschlichen Kompetenzen

Die Eingangsthese von Michael Sandvoss war: „Je mehr KI eingesetzt wird, desto wichtiger ist es für Führungskräfte, empathischer und emotional souverän zu agieren.“

Der Wandel der Arbeit durch den Einsatz von KI verschiebt Leadership-Kompetenzen immer mehr weg von reiner Analytik und hin zu emotional intelligenterem Verhalten. Empathie rückt auch für Top-CEOs mehr in den Fokus.

Wer in der KI-Ära als Leader begeisternd führen möchte, sollte Menschen wirklich verstehen, Ambiguität aushalten und Orientierung geben können.“ – Michael Sandvoss

Wenn KI, wie viele Experten prognostizieren, zunehmend das Analytische übernimmt, was bleibt dann noch für Menschen? Ambiguitätstoleranz – also das Aushalten von Mehrdeutigkeit – wird zur Schlüsselkompetenz, weil klare Antworten meist fehlen, während Entscheidungen trotzdem getroffen werden müssen.

Die Zukunftskompetenz: Vorausahnen und Spüren

 „Es braucht jetzt Menschen, die in Resonanz gehen können und vorausahnen was kommt.“ – Michael Sandvoss

Um diese Perspektive zu untermauern, zitierte Michael Sandvoss Jensen Huang, CEO von NVIDIA, der in einem Interview gefragt wurde: „Wer ist die smarteste Person, die Du je getroffen hast?“

Seine Antwort war verblüffend: „Diese Frage kann ich nicht beantworten. Die meisten Menschen denken bei ‚smart‘ an technische Intelligenz: Probleme lösen, rechnen, programmieren. Aber das ist heute eine Commodity. Und wir stehen kurz davor zu beweisen, dass künstliche Intelligenz genau diesen Teil am leichtesten übernimmt.

Jeder dachte lange, Softwareentwicklung sei der ultimative Beweis von Intelligenz. Und was ist das Erste, das KI löst? Softwareentwicklung.

Die Definition von Intelligenz ist also eine ganz andere, als die meisten glauben.

Meine persönliche Definition von ‚smart‘ ist jemand, der an der Schnittstelle sitzt von technischer Kompetenz und menschlicher Empathie – jemand, der das Ungesagte wahrnimmt, um Ecken denken kann, mit dem Unbekannten umgehen kann.

Menschen, die um die Ecke sehen können, sind wirklich intelligent. Ihr Wert ist enorm.

Sie erkennen Probleme, bevor sie sichtbar werden – weil sie eine Stimmung spüren, eine Vibration. Diese entsteht aus einer Kombination von Datenanalyse, Prinzipien, Lebenserfahrung, Weisheit und der Fähigkeit, andere Menschen zu lesen.

Diesen Vibe zu spüren – das ist Smart.“

Diese Zukunftskompetenzen sind nicht weich. Sie entscheiden darüber, wie Teams durch Unsicherheit navigieren, wie Konflikte gelöst werden und wie Innovation entsteht. In einer Welt, in der Disruption oft von außen kommt, braucht es Führungskräfte, die Frühwarnsignale wahrnehmen – und die „Vibes“ nicht als esoterisches Thema abtun.

Empathie operationalisieren: Von Slogans zu Führungspraxis

Dr. Katja Unkel machte erfrischend pragmatisch deutlich, wie resiliente und sinnorientierte Führung gelingt – klar, praxisnah und zutiefst menschlich. Sie erläuterte anschaulich, wie „mehr Menschlichkeit“ im Business pragmatisch umgesetzt werden kann und erlebbare Empathie in der Führung praktisch wirksam wird.

Wertschätzung: Der Kern guter Führung

„Echte Wertschätzung beginnt damit, dass Führungskräfte ihren Job ernst nehmen und Führung als Profession begreifen. Es geht nicht um Titel, sondern darum, ein Handwerk professionell auszuüben. Dazu gehört, dass man lernen und täglich üben muss, um besser zu werden.“ – Dr Katja Unkel

Viele Organisationen schmücken sich mit Werten und Leitbildern – doch im Alltag verpufft das schnell, wenn es keine Übersetzung in konkretes Verhalten gibt und der täglichen Hektik zum Opfer fällt.

Zusammengefasst verdeutlichte Dr. Katja Unkel folgendes:

  • Respektvolles Zuhören: echte Präsenz, ohne Ablenkung, ohne vorschnelles Bewerten.
  • Klare Rollen und Verantwortungen: Vertrauen entsteht nicht nur durch Wärme, sondern durch Verlässlichkeit, Klarheit und Orientierung.
  • Wertschätzendes Feedback: verhaltensorientiert statt menschenorientiert. Mitarbeitende leiden besonders unter persönlicher Kritik, die sie als Angriff erleben.
  • Fehlerkultur: Führung steht nach außen für Fehler ein, statt Verantwortliche bloßzustellen.
  • Sinnvermittlung: Wer das „Wozu“ erklären kann, steigert Motivation, Qualität und Eigeninitiative.

Gerade dieser letzte Punkt wurde als unterschätzter Hebel beschrieben. Wenn Menschen verstehen, wofür ihre Arbeit steht, arbeiten sie sorgfältiger, bringen sich stärker ein und entwickeln Stolz auf Ergebnisse. Sinn ist damit nicht nur ein „Nice to have“, sondern ein Qualitätsfaktor.

Zuhören als Frühwarnsystem und Innovationsmotor

Besonders betont hat Dr. Katja Unkel die Fähigkeit, zuzuhören – auch für Innovation und als Frühwarnsystem. Wer wirklich zuhört, erkennt Spannungen früher, nimmt Zwischentöne wahr und kann Daten mit Erfahrung verbinden.

„Wir haben echtes Zuhören verlernt. Das ist fatal, denn Zuhören ist gelebter Respekt; es baut Vertrauen auf, wird zum Frühwarnsystem und öffnet Raum für Innovation. Aber nur, wenn ich wirklich da bin und nicht nebenher am Smartphone hantiere, E-Mails checke oder an andere denke.“ – Dr. Katja Unkel

Ebenso wichtig: Außenseiterideen ernst nehmen. Disruption entsteht häufig außerhalb des eigenen Blickfelds. Wer nur die vertrauten Stimmen hört, übersieht Signale – und verliert Anpassungsfähigkeit.

Wahre Wertschätzung ist unabhängig von Leistung

„Das schöne deutsche Wort Wertschätzung sagt es: Ich schätze den Menschen wert, unabhängig von seiner Leistung. Und bei Letzterem wird es schon mal ein bisschen stiller … „ Dr. Katja Unkel

Ein wichtiges Thema des Abends: Wie schaffen wir es, besser mit Stress umzugehen? Wie erreichen wir mehr Achtsamkeit? Welche Bedeutung hat bewusstes Atmen? Wie schaffen wir mehr Verbindung – zu uns selbst und zueinander?

Das Paradox der Resilienzexpertin mit 16-Stunden-Tagen

Besonders greifbar wurde das Thema durch Dr. Katja Unkels Resilienz-Praxisbeispiele. Sie brachte Erfahrungen aus intensiven Jahresauftakt- und Transformationsformaten ein – Situationen, in denen die Tage tatsächlich sehr lang werden können. Auf den ersten Blick wirkt das paradox: Wie passt Resilienzpraxis zu 16-Stunden-Tagen?

„Spitzenleistung kommt in Wellen. Phasen hoher Belastung sind normal; gefährlich ist nur das Dauerfeuer. Entscheidend ist Rhythmus und das Pausenmanagement: Kurzpausen während der Belastung und klare, längere Erholungsfenster davor und danach.“ – Dr. Katja Unkel

Die Antwort orientiert sich an einer Spitzensport-Analogie: Leistungsspitzen sind legitim, aber nur als Ausnahme – und nur, wenn sie zeitlich begrenzt sind und durch Regeneration davor und danach abgesichert werden. Entscheidend ist also nicht, ob Hochphasen vorkommen, sondern wie bewusst sie geplant, begleitet und wieder „abgebaut“ werden. Resilienz bedeutet nicht, endlos durchzuhalten – sondern Belastung und Erholung professionell zu steuern.

Resilienz ist trainierbar – aber nicht ohne Routine

Ein Kernpunkt der Diskussion: Resilienz ist keine reine Persönlichkeitseigenschaft. Autogenes Training oder andere Selbstregulationstechniken helfen im Akutfall nur dann zuverlässig, wenn sie zuvor regelmäßig geübt wurden. Wer erst in der Krise anfängt, Werkzeuge zu suchen, wird sie oft nicht wirksam einsetzen können.

Dazu kamen sehr konkrete Bilder aus dem Alltag hoher Arbeitslast: Mikro-Pausen, kurze Unterbrechungen, bewusste Atem- oder Fokus-Interventionen – sogar Ansätze, die auf physiologische Messgrößen wie die Herzratenvariabilität abzielen. Solche Techniken können in Hochlastphasen stabilisieren, ersetzen aber keine echte Regeneration.

Deep Work statt Dauer-Flow: Struktur schlägt Mythos

996-Reality-Check

In China wird nach der Regel 9-9-6 gearbeitet: von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, sechs Tage die Woche. Jensen Huang arbeitet nach seinen Angaben ähnlich viel, sei aber meist im Flow. Wie ist dieses Pensum einzuordnen und wie können wir theoretisch mithalten und in solchen Arbeitswelten gesund bleiben? Es folgte ein Reality-Check von Dr. Katja Unkel und den Gästen zwischen Leistung, Resilienz und menschlicher Grenze.

In der Diskussion wurden mehrere Hero-Narrative von Dr. Katja Unkel entzaubert. „Dauer-Flow ist keine realistische Erwartung.“ Leistung darf nicht durch heroisches Einzelkämpfertum, entstehen. Es braucht klare Zuständigkeiten für eine gute Zusammenarbeit, sondern durch Teamarbeit sowie Priorisierung und ein Umfeld, das Fokus ermöglicht.

Flow ohne Ablenkung

Flow lässt sich einfacher erreichen als viele denken: ungestörtes, konzentriertes Arbeiten. Displays aus, Telefon weg, Tunnel an. Messbar, fühlbar, wirksam – und wieder stolz auf echte Ergebnisse.

Praktisch heißt das: Deep Work statt Ablenkung. Tagesstruktur statt reaktivem Durchhetzen. Und eine Arbeitsweise, die sich am Biorhythmus orientiert – also an der Frage, wann Menschen tatsächlich konzentriert arbeiten können. Konzentration braucht Rahmenbedingungen, und Resilienz braucht Planbarkeit.

Zukunftsfähigkeit entsteht im Zusammenspiel aus Resilienz und Führung

Das „New Mindset“ lässt sich auf eine einfache, aber anspruchsvolle Formel bringen: nachhaltige Leistungsfähigkeit plus menschliche Führung.

Resilienz ist trainierbar – mit Routinen, Struktur, Deep Work und echter Regeneration. Empathie ist kein Slogan – sie wird wirksam durch Zuhören, Respekt, klare Rollen, Feedbackkultur und Sinnvermittlung. Und KI macht genau diese Fähigkeiten nicht weniger, sondern viel wichtiger. Wer Transformation gestalten will, braucht beides: die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren – und die Kompetenz, andere durch Unsicherheit zu führen, ohne sich hinter Worthülsen zu verstecken. In dieser Kombination liegt die Zukunftskompetenz: Menschlichkeit mit Klarheit.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmenden für die wertvollen Diskussionsbeiträge, insbesondere an Janine Haberland, Dr. Cyrus Sami, Gabriele Euchner, Harald Greiner und Mario Kempter.

Besonderer Dank gilt Margarete Hartl von The Premium Speakers Agency sowie Swantje Benussi (Onesome/Connect&Develop) für die wundervolle Location und Gastfreundschaft. Last but not least: Herzlichen Dank an Daniela Sandvoss, Gründerin des Brain & Soul Network, für das Programm und die Organisation dieses inspirierenden Abends, der bleibt und nachwirkt.

Mehr über Katja Unkel

Mehr über Michael Sandvoss

> EQ Leadership: Emotionale Souveränität als Fundament wirksamer, menschenzentrierter Führung.

Wer heute führen und gestalten will, braucht mehr denn je die Fähigkeiten Menschen zuzuhören und zu verstehen, Ambiguität und Spannungen auszuhalten und Sinn zu vermitteln. Genau hier setzt Michael Sandvoss’ Human-Ready-Ansatz an.

Zukünftig werden unter dem Titel SMART:HUMAN_Voices regelmäßig weitere hochkarätige Talks stattfinden, die den Dialog über Human Readiness, Leadership und Transformation vertiefen.

Michael Sandvoss

SMART:HUMAN Expert - Keynote Speaker für emotionale Intelligenz und menschenzentrierte Führung

Dr. Katja Unkel

Expertin für Führung & Resilienz