Gerd Wirtz: Wie wird man eigentlich gesund 100?

23. Januar 2026 – Premium Speakers

Longevity-Experte Dr. Gerd Wirtz erklärt, welche Faktoren tatsächlich darüber entscheiden, wie gesund wir altern und warum kleine, konsequente Gewohnheiten dabei wichtiger sind als aufwändige Gesundheitsroutinen.

Die Frage, wie man gesund 100 wird, klingt zunächst tatsächlich eher wie ein Versprechen aus der Werbung. Die kurze, ehrliche Antwort lautet allerdings: nicht mit Wundermitteln, nicht mit Anti-Aging-Hacks und schon gar nicht mit einzelnen „Superfoods“. Entscheidend sind unsere täglichen Gewohnheiten. Und zwar solche, die nachweislich unser biologisches Alter beeinflussen.

Warum es beim Älterwerden um mehr geht als um Jahre

In der Longevity-Forschung unterscheiden wir zwei Begriffe: Lifespan und Healthspan. Die Lifespan beschreibt, wie alt wir theoretisch werden können. Die Healthspan hingegen entscheidet darüber, wie viele dieser Jahre wir gesund, leistungsfähig und selbstständig verbringen.

Und genau hier liegt das eigentliche Problem moderner Gesellschaften. Wir investieren immer mehr Geld in Gesundheitssysteme – verlieren aber gleichzeitig aktiv Lebenszeit durch unseren Lebensstil. Nicht am Lebensende, sondern oft Jahrzehnte früher.

Eine Auswertung des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt, dass ungesunde Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, starkes Übergewicht oder hoher Alkoholkonsum die Lebenserwartung von Männern im Extremfall um mehr als 20 Jahre verkürzen können.

Deshalb greift die Frage nach maximaler Langlebigkeit zu kurz. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie verhindern wir, dass Menschen ihr biologisches Potenzial gar nicht erst ausschöpfen und nicht einmal die 80 erreichen?

Longevity bedeutet nicht, das Leben künstlich zu verlängern. Es bedeutet, Leistungsfähigkeit, mentale Klarheit und Belastbarkeit möglichst lange zu erhalten.

Langlebigkeit ist kein Zufall

Der Stand der Forschung ist hier eindeutig. Unsere Gene spielen eine Rolle bei Gesundheit und Lebenserwartung, sie sind aber nicht der Hauptfaktor. Studien zeigen, dass Lebensstilfaktoren wie Bewegung, Ernährung, Schlaf und der Umgang mit Stress einen deutlich größeren Einfluss auf Gesundheit und Lebensspanne haben als unsere genetische Ausstattung.

Anders gesagt: Wir sind unseren Genen nicht ausgeliefert. Wir beeinflussen täglich, wie stark sie wirken.

Dabei geht es nicht um Perfektion. Es geht um Regelmäßigkeit. Menschen, die sich moderat, aber konstant bewegen, ausreichend schlafen und Stressphasen aktiv regulieren, altern messbar langsamer, ganz unabhängig von ihrem genetischen Startpunkt.

Was wir von den Blue Zones lernen können

Immer wieder werden sogenannte Blue Zones zitiert – Regionen der Welt, in denen Menschen überdurchschnittlich häufig gesund alt werden. Die zugrunde liegenden Prinzipien funktionieren aber auch außerhalb dieser Regionen.

Gemeinschaft, soziale Einbindung und ein klar empfundener Lebenssinn wirken nachweislich lebensverlängernd. Hinzu kommen einfache Routinen: tägliche Bewegung im Alltag, überschaubare Mahlzeiten, feste Schlafzeiten. Keine komplizierten Programme, kein Biohacking, sondern Strukturen, die sich langfristig durchhalten lassen.

Prävention statt Reparaturmedizin

Ein weiterer zentraler Punkt moderner Longevity-Strategien ist der Perspektivwechsel in der Medizin. Statt erst zu reagieren, wenn Symptome auftreten, rückt Prävention in den Fokus. Wer seine relevanten Biomarker kennt, also Blutzucker, Entzündungswerte, Lipidprofile oder hormonelle Marker, der kann Risiken früh erkennen und gezielt gegensteuern.

Das ist keine Zukunftsvision, sondern bereits heute möglich. Und es verändert grundlegend, wie wir über Gesundheit nachdenken: weg von kurzfristiger Symptombehandlung, hin zu langfristiger Funktionsfähigkeit.

Warum kleine Veränderungen den Unterschied machen

Viele scheitern nicht an fehlendem Wissen, sondern an überzogenen Vorsätzen. Radikale Diäten, extreme Trainingspläne oder starre Routinen funktionieren selten dauerhaft.

Die Forschung zeigt klar: Kleine, realistische Veränderungen, die konstant umgesetzt werden, haben den größten Effekt auf das biologische Alter.

Zehn Minuten Bewegung täglich sind besser als gar keine. Regelmäßiger Schlaf ist wirksamer als gelegentliche „Optimierung“. Konstanz ist der unterschätzte Faktor, den viele ignorieren.

Fazit

Gesund 100 zu werden ist kein Versprechen, aber eine realistische Zielrichtung. Es geht nicht darum, das Altern aufzuhalten, sondern es aktiv zu gestalten.

Longevity bedeutet, möglichst viele Jahre mit körperlicher, geistiger und emotionaler Leistungsfähigkeit zu gewinnen und diese Jahre bewusst zu nutzen.

Buchen Sie Dr. Gerd Wirtz als Keynote Speaker für einen Vortrag zu Longevity, Digital Health und Zukunftsmedizin: gerd.wirtz@premium-speakers.com oder 1 (704) 804 1054

Dr. Gerd Wirtz

Neurophysiologe, Experte Longevity, Digital Health & Zukunftsmedizin