Dr. Gerd Wirtz – Was Longevity mit moderner Führung zu tun hat
Dr. Gerd Wirtz zeigt in seinem Gastbeitrag, warum die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen nicht nur von Strategie und Unternehmenskultur abhängt, sondern auch von der Verfassung der Menschen, die Verantwortung tragen.
Wenn Unternehmen über Zukunftsfähigkeit sprechen, geht es meist um Strategie, Transformation, Fachkräftemangel, Innovationskraft oder Unternehmenskultur. Strategien sind vorhanden, Programme sind aufgesetzt und trotzdem verläuft die Umsetzung in vielen Organisationen zäh.
Denn die Leistungsfähigkeit von Organisationen hängt nicht nur von Prozessen, Strukturen und Kennzahlen ab. Sie hängt auch davon ab, in welchem mentalen und körperlichen Zustand Führungskräfte Entscheidungen treffen, Prioritäten setzen, Konflikte moderieren und Veränderung gestalten.
Unternehmen messen Kultur, Engagement und Performance sehr detailliert. Die gesundheitliche Verfassung der Führungsebene erfassen sie dagegen kaum.
Führung ist keine rein fachliche Leistung
In Unternehmen wird Führung häufig als Kompetenzfrage behandelt: Wer klar kommuniziert, gut delegiert und Teams motivieren kann, gilt als gute Führungskraft. Das stimmt, deckt aber nur einen Teil der Realität ab.
Führung ist immer auch an biologische und mentale Voraussetzungen gebunden. Wer dauerhaft unter Strom steht, schlecht schläft und keine echte Erholung kennt, führt anders – auch wenn das von außen nicht sofort sichtbar ist.
Entscheidungen werden kurzfristiger. Reaktionen werden impulsiver. Die Geduld sinkt. Die Offenheit für Veränderung nimmt ab. Komplexität wird schneller als Bedrohung erlebt. Genau das hat direkte Folgen für Teams, Projekte und die gesamte Organisation.
Der blinde Fleck
Die Frage, unter welchen Bedingungen Führung überhaupt stattfindet, stellen sich nur wenige Unternehmen systematisch. Wie hoch ist die chronische Belastung in der Führungsebene? Wie ausgeprägt sind Schlafmangel, mentale Ermüdung und dauerhafte Erreichbarkeit? Wie stabil sind Fokus und Stressregulation? Und wie sehr beeinflussen genau diese Faktoren, was in Entscheidungsräumen tatsächlich passiert?
Der Zusammenhang ist dabei keine Spekulation: Überlastung ist ein messbarer Risikofaktor – nicht nur für die betroffenen Personen, sondern für die Organisationen, die sie führen.
Längere Lebenserwartung, längere Führungskarrieren
Es gibt noch eine Dimension, die im Unternehmenskontext kaum diskutiert wird. Führungskarrieren erstrecken sich heute über deutlich längere Zeiträume als noch eine Generation zuvor. Wer mit Mitte vierzig in eine verantwortungsvolle Rolle wächst, kann dort noch 20 oder 25 Jahre folgen – in einem Umfeld, das sich in dieser Zeit nicht beruhigt, sondern weiter beschleunigt.
Die Frage lautet damit nicht mehr nur, wie jemand die nächsten zwei oder drei Jahre durchhält. Sie lautet: Wie bleibt eine Person über Jahrzehnte handlungsfähig, klar und belastbar? Unternehmen, die das strukturell ignorieren, setzen auf Führungskräfte, deren Leistungsfähigkeit sie nicht aktiv erhalten. Nachhaltigkeit in der Führung gehört damit auf die strategische Agenda – nicht nur ins HR-Programm.
Longevity ist auch ein Wirtschaftsthema
Longevity wird häufig mit Ernährung, Bewegung, Schlaf und medizinischer Prävention verbunden – also mit individuellem Gesundheitsverhalten. Im Kern geht es jedoch um die Frage, wie Menschen möglichst lange gesund, belastbar und handlungsfähig bleiben. Das ist für Unternehmen hochrelevant.
Fachwissen allein reicht nicht aus, wenn die Fähigkeit fehlt, unter Dauerdruck klar zu bleiben. Genauso wichtig ist die Fähigkeit, unter Druck klar zu bleiben und langfristig handlungsfähig zu sein – ohne auszubrennen. Wer das als privates Gesundheitsthema betrachtet, unterschätzt, wie stark dieser Faktor die Leistungsfähigkeit von Organisationen beeinflusst.
Führungsgesundheit als Organisationsthema
Gesundheit im Unternehmenskontext wird häufig unter Benefits, Präventionsangeboten und persönlicher Eigenverantwortung verbucht. Das ist zu kurz gedacht.
Wenn Organisationen von Führungskräften verlangen, unter hohem Druck Orientierung zu geben, Veränderungen zu gestalten und Teams durch Unsicherheit zu begleiten, dann ist die Frage, ob diese Führungskräfte dafür die Voraussetzungen mitbringen, keine Nebensache. Unternehmen, die dabei ausschließlich auf individuelle Resilienz setzen, ohne die strukturellen Bedingungen zu betrachten, unter denen Führung stattfindet, lösen das Problem nicht an der richtigen Stelle.
Fazit
Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen hängt an Strategie, Strukturen und Kultur – aber auch an der Verfassung der Menschen, die Verantwortung tragen. Wer unter Dauerbelastung führt, beeinflusst nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern die Qualität von Entscheidungen, Zusammenarbeit und Veränderungsprozessen in der gesamten Organisation.
Longevity wird damit zu einem Thema, das weit über Gesundheit hinausreicht. Es berührt Führung, Leistung und die Frage, wie Unternehmen langfristig wirksam bleiben.
Gerd Wirtz für einen Vortrag zu Longevity und Führung buchen: 1 (704) 804 1054 oder gerd.wirtz@premium-speakers.com
