Victoria Neuhofer: Die Unternehmerin, die nie aufhört zu denken
Von der App-Idee mit 16 bis zum internationalen Franchise-Konzept – Victoria Neuhofer ist eine Mehrfachgründerin, die Unternehmertum lebt, atmet und jeden Tag neu erfindet.
Manche Menschen haben Ideen. Victoria Neuhofer hat tausend davon – und setzt sie um. Die österreichische Unternehmerin ist kein gewöhnlicher Gründer-Typ: Sie stammt aus einer Unternehmerfamilie, die auf eine über 370 Jahre alte Geschichte zurückblickt, und hätte gut und gerne auf das gesicherte Erbe warten können. Stattdessen gründete sie mit 16 ihr erstes Unternehmen – und hörte seitdem nicht mehr auf.
Victoria Neuhofer – Unternehmertum im Blut – und im Kopf
Die ersten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte Victoria Neuhofer in Krakau, wo ihre Mutter die polnische Niederlassung des Familienunternehmens aufbaute. Geprägt von der Leistungsorientierung polnischer Schulen und einer gleichgestellten Gesellschaft, kehrte sie nach Österreich zurück. Mit 14 Jahren wechselte sie auf Wunsch des Vaters an die HTL Mödling, Zweig Holztechnik – ein Umfeld, das ihr trotz (oder gerade wegen) der Rollenklischees, die ihr dort entgegenschlugen, ihren Ehrgeiz zusätzlich schärfte. Als ein Lehrer ihr riet, lieber Supermarktregale einzuräumen statt Statistik zu lernen – sie war Klassenbeste –, wuchs ihr Antrieb, es allen zu beweisen.
Nach der HTL studierte sie in Wien Internationale Betriebswirtschaft, arbeitete tagsüber im Familienbetrieb, fuhr abends nach Wien und hörte den Lernstoff während der Fahrt als Aufnahme ab. Ihren Abschluss holte sie nach – beim zweiten Studium, Entrepreneurship und Innovation an der Universität Liverpool, das deutlich praxisnäher war und ihr wirklich das vermittelte, was Unternehmer brauchen.
Die Geburtsstunde von Damn Plastic
Der vielleicht wichtigste Moment in Victoria Neuhofers Gründergeschichte war ein Morgen auf dem Electric-Love-Festival. Als die Sonne aufging und sie sich in einem Meer aus Plastikbechern und -geschirr wiederfand, rief sie noch am selben Tag ihre beste Freundin Stephanie Sinko an: „Ich habe eine Idee – wir müssen uns sofort treffen.“ Drei Tage später war Damn Plastic gegründet.
Das Konzept: Nachhaltigkeit darf nicht kompliziert, teuer oder moralinsauer sein. Mit dem Slogan „It’s not about damn plastic, it’s about damn people“ wollten die beiden Gründerinnen keine klassische Umweltmarke schaffen, sondern eine Bewegung für bewussteren Konsum – alltagstauglich, sichtbar, attraktiv. Aus der anfänglichen Idee essbarer Bestecke entwickelte sich ein breites Sortiment an Impact-Produkten: von Taschen aus Ozeanplastik über festes Haarshampoo bis hin zu Strohhalmen aus Nudeln. Kunden kaufen, Damn Plastic erledigt den Rest – passive Nachhaltigkeit nennen die Gründerinnen ihr Geschäftsmodell.
Der Weg war alles andere als einfach. Nur einen Monat nach der erfolgreichen Eröffnung des ersten Shops in der Salzburger Münzgasse brach die Pandemie aus. Das Konto war bald auf null, der Vermieter unkooperativ, Mietnachlässe vertraglich ausgeschlossen. Neuhofer und Sinko lieferten Waren teils selbst aus, bauten einen Onlineshop auf, kämpften sich durch – getreu dem Familienleitsatz: „Ein Neuhofer gibt nicht auf.“
Heute, im sechsten Jahr des Bestehens, hat Damn Plastic bereits über 300 Franchise-Anfragen aus aller Welt erhalten – aus Australien, von den Malediven, aus ganz Europa. Das Konzept und Design wurden professionalisiert, die Gründerinnen machen nach wie vor vieles selbst.
Veatzz – das Zaubermehl
Wer denkt, Damn Plastic sei genug, kennt Victoria Neuhofer nicht. 2024 gründete sie ihr nächstes Unternehmen: Veatzz, das vegane, gluten- und allergenfreie „Zaubermehl“. Die Entstehungsgeschichte ist typisch Neuhofer: Auf einer Messe probierte sie Snacks, die ein Koch aus einem Spezialmehl gezaubert hatte und fragte sofort, ob man es kaufen könne. Die Antwort war Nein. Ihr Gegenangebot folgte prompt, und als der ursprüngliche Deal platzte, zog sie das Produkt mit Sinko einfach selbst durch. Heute ist das Zaubermehl bei allen größeren Supermärkten gelistet – verkauft, bevor es überhaupt produziert war, denn Neuhofer hatte es zunächst nur auf Papier skizziert und so an Handelsbetriebe verkauft.
Victoria Neuhofer – Speakerin, Buchautorin, Unternehmerin
Victoria Neuhofer hat längst die Bühne für sich entdeckt – im wahrsten Sinne. Mit Damn Plastic und Veatzz trat sie in der TV-Sendung „2 Minuten, 2 Millionen“ auf, ihre Pitches waren originell, ihr Auftritt souverän. Seither spricht sie auf großen Bühnen über Entrepreneurship, Nachhaltigkeit und das, was erfolgreiche Gründer wirklich ausmacht.
Gemeinsam mit Stephanie Sinko hat sie außerdem das Buch „Von BFFs zu CEOs“ geschrieben – ein Ratgeber über unternehmerisches Gründen im Freundinnen-Duo, der Mut macht und ehrlich zeigt, was es bedeutet, Ideen in die Realität zu bringen.
Was Neuhofer über erfolgreiches Gründen denkt
Auf die Frage, was eine Gründung erfolgreich macht, antwortet Victoria Neuhofer klar: ein gutes Produkt, Relevanz und Einzigartigkeit. Businesspläne sieht sie, zumindest in der Frühphase, skeptisch – wer zu starr an Meilensteinen festhält, verpasst die entscheidenden Abzweigungen. Die Welt verändert sich zu schnell für detaillierte Fünfjahrespläne.
Ihr Tipp für den Alltag: Bei Problemen, die einen umtreiben, stellt sie sich die Frage: Hat das in fünf Jahren noch Relevanz? Wenn nicht, darf es gehen. Diese Leichtigkeit im Denken, kombiniert mit einer beeindruckenden Arbeitsdisziplin, macht Victoria Neuhofer zu einer der faszinierendsten Unternehmerinnen im deutschsprachigen Raum.
Und eines ist sicher: Damn Plastic und Veatzz werden nicht ihre letzten Geschäftsideen gewesen sein.
Victoria Neuhofer ist Mehrfachgründerin, Speakerin und Buchautorin. Sie spricht über Entrepreneurship, nachhaltige Geschäftsmodelle, weibliches Gründertum und die Kraft, Ideen konsequent umzusetzen.
Victoria Neuhofer gibt ihre Erfahrungen und Expertise in Keynotes und Talkrunden wieder. Gerne nehmen wir Ihre Anfragen entgegen: 1 (704) 804 1054 oder victoria.neuhofer@premium-speakers.com
