Was Murat Yakin über Führung, Mut und den Willen zum Gewinnen lehrt
„In Deutschland fehlte wenig, und wir hätten den Final erreichen können.“ – Murat Yakin
Es ist Sommer 2024. Viertelfinal der Europameisterschaft in Deutschland. Die Schweiz trifft auf England – auf dem Papier klarer Außenseiter, in der Realität das mutigere Team. Murat Yakin hat seine Mannschaft so aufgestellt, dass niemand es erwartet hat. Es geht in die Verlängerung. Dann ins Elfmeterschießen.
Die Schweiz scheidet aus. Knapper kann eine Niederlage nicht sein.
Und was sagt Yakin danach? Keine Entschuldigungen. Keine Ausreden. Nur ein Satz, der alles über seine Haltung sagt: „Beim England-Spiel hat man gesehen, dass wir im Viertelfinale dem großen England nicht nur auf Augenhöhe begegnet sind, sondern dass wir auch besser waren.“
Das ist Murat Yakin. Selbstbewusst, klar, ohne Selbstmitleid. Ein Trainer, der weiß, was er kann. Und warum.
Murat Yakin – Vom Spieler zum Taktikgenie – ein Weg, der Umwege kannte
Murat Yakin wurde am 15. September 1974 in Münchenstein vor den Toren Basels geboren, als Sohn türkischer Einwanderer, und wuchs in der Schweiz auf. Als Spieler war er einer der besten Innenverteidiger seiner Generation – taktisch klug, spielintelligent, mit einem ausgeprägten Gespür für das Wesentliche. Er spielte unter anderem beim FC Basel, beim Hamburger SV, bei Kaiserslautern und in der Schweizer Nationalmannschaft.
Doch die WM 1994 verpasste er – Nationaltrainer Roy Hodgson nominierte ihn nicht. Eine Verletzung, ein verpasster Moment, und die bittere Erfahrung, dass Talent allein nicht reicht. Dass es auf Timing, Kontext und die Entscheidungen anderer ankommt.
Diese Erfahrung prägte ihn. Und sie ist spürbar, wenn er heute als Trainer auf dem Platz steht.
Der Trainer, der alles auf eine Karte setzt – aber nie ohne Plan
Seinen Ruf als Taktikgenie erarbeitete sich Yakin über Jahre. Als Vereinstrainer war er bei Spartak Moskau, beim FC Sion, beim Grasshopper-Club, in Thun, Luzern und Schaffhausen. Beim FC Basel gewann er zweimal die Schweizer Meisterschaft. Seit August 2021 ist er Nationaltrainer der Schweiz.
Sein Stil ist unverwechselbar: Er setzt auf Ballbesitz, Dominanz und Spielkontrolle – und überrascht regelmässig mit unerwarteten Aufstellungen, die im Nachhinein als Geniestreich gelten. Beim ersten EM-Gruppenspiel 2024 gegen Ungarn nominierte er unerwartet Michel Aebischer und Kwadwo Duah – nach zwölf Minuten stand es 1:0, kurz vor der Pause 2:0, am Ende 3:1. Die Schweiz stiess bis in den Viertelfinal vor.
Was von aussen wie Intuition wirkt, ist in Wirklichkeit akribische Vorbereitung. Die NZZ beobachtet: Er bereite solche Kniffe monatelang vor und übe sie in Trainings und Testspielen ein.
Sein Bruder Hakan, selbst ehemaliger Nationalspieler, bringt es auf den Punkt: „Murat weiss immer genau, warum er welche Entscheidungen trifft. Es sieht so aus, als ob er aus dem Bauch heraus entscheidet, aber das wirkt nur so.“
Führung durch Persönlichkeit – nicht durch Kontrolle
Was Yakin von vielen Trainern unterscheidet, ist sein Verständnis von Führung. Er kontrolliert nicht. Er befähigt.
„Es ist für mich als Trainer natürlich sehr wertvoll, solche Spielertypen vom Charakter, von der Mentalität und der Erfahrung zu haben, dass sie auch in ihren Klubs große Verantwortung übernehmen und eine wichtige Rolle spielen. Da sieht man auch den Unterschied der Qualität – dass sie auch ihre Mitspieler besser machen, dass sie sie stark machen, dass sie das den jungen Spielern tagtäglich vorleben.“
Er baut auf Leader-Typen im Team. Auf Menschen, die vorangehen. Die Verantwortung übernehmen – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Und er versteht, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Führung brauchen: „Alle gleich zu behandeln wäre nicht korrekt“, sagt er. Ein Ersatzspieler, der nur selten zum Einsatz kommt, braucht ein anderes Gespräch als ein Stammspieler.
Das klingt selbstverständlich. In der Praxis ist es das selten.
Ruhe als Führungsstil
Wer Yakin auf der Trainerbank beobachtet, sieht einen Mann, der auch in schwierigen Momenten ruhig bleibt. Sein früherer Assistent Giorgio Contini hebt genau das hervor: Yakin werde nicht nervös. Nicht in Drucksituationen. Nicht wenn die Kritik kommt – und sie kommt regelmässig.
Im Herbst 2023 verlor er seine Mutter. Gleichzeitig stand er als Nationaltrainer massiv unter Druck, wurde in Medien hart attackiert, seine Zukunft öffentlich infrage gestellt. Er hielt stand. Die Familie Yakin gebe nicht auf – so hat es seine Mutter ihren Söhnen mitgegeben, und so lebt Murat Yakin es vor.
Diese innere Stabilität – die Fähigkeit, unter extremem Druck klar zu denken und mutige Entscheidungen zu treffen – ist sein vielleicht wichtigstes Führungsmerkmal.
Auf der Bühne: direkt, authentisch, mit Erfahrung aus dem Hochdruckbereich
Murat Yakin steht nicht auf der Bühne, um Anekdoten zu erzählen. Er steht dort, weil er etwas weiss, das nur wenige aus eigener Erfahrung kennen: wie man in einem Hochdruckumfeld ein Team formt, das mehr leistet als die Summe seiner Teile. Wie man Vertrauen aufbaut in Zeiten der Unsicherheit. Wie man mutige Entscheidungen trifft – und dazu steht, auch wenn sie erst mal niemand versteht.
„Wir sind eine eingeschworene Mannschaft, die schon länger zusammenspielt“, sagt er über sein Nationalteam. Dieser Satz gilt genauso für jedes Unternehmensteam, das nachhaltig erfolgreich sein will.
Er bringt keine Theorie. Er bringt gelebte Praxis – aus drei Jahrzehnten Spitzenfussball, als Spieler und als Trainer.
Seine Worte treffen besonders dort, wo Führungskräfte verstehen wollen, was echtes Teambuilding bedeutet – unter Druck, mit hohen Erwartungen und ohne die Möglichkeit, Fehler auf andere zu schieben. Für Unternehmen, die eine Kultur der Verantwortung entwickeln wollen. Für Teams, die lernen möchten, wie man auch aus Niederlagen gestärkt hervorgeht. Und für alle, die von jemandem hören wollen, der weiss: Mut ist kein Zufall. Mut ist Vorbereitung.
Murat Yakin kann als Talkgast gebucht werden: +1 (704) 804 1054 oder murat.yakin@premium-speakers.com
